"Zwar wußte (...) damals schon, daß die Schlußphase einer Beziehung fast immer gekennzeichnet war durch den Nachholbedarf an Rücksichtslosigkeit, daß sich gegen Ende hin - so wie die Schattenlänge bei sinkender Sonne wuchs - die Mangelhaftigkeit des Partners vervielfachte oder zu vervielfachen schien. Das eigentlich Betrübende war dann nicht mehr die Trennung, sondern der Verdacht, mit einem Scheusal zusammengelebt zu haben". (Auszug aus: Markus Werner, Die kalte Schulter, Roman, S.Fischer, 2011, S.49)
Paar sein und eine konstruktive Paarbeziehung zu leben stellt heutzutage eine der großen Herausforderungen sozialer Beziehungsgestaltung dar. Zumeist beginnt das Unternehmen Paarbeziehung mit einer Liebesbeziehung. In dieser Zeit werden Emotionen und Gefühle als Boten eines unbeschreibbaren Lebenssinns und Glücks interpretiert und erlebt. Über kurz oder lang werden dann Verbindlichkeiten von den Verliebten entwickelt und markiert, sie verwandeln sich in ein Paar mit einer Paarbeziehung. Sehnsüchte, Phantasien und Bedürftigkeiten nach Anerkennung, Wertschätzung, Erwiderung seiner/ihrer selbst im anderen, etc. werden mit Visionen von geglückten Paarbeziehung verknüpft und überladen. Oft erlaubt auch heute noch eine Paarbeziehung, Elternschaft zu leben. Das sein Leben organiserende Paar - die anfänglich Verliebten - übernehmen Verantwortung für Kinder, deren Entwicklung und Fortkommen. Die exklusive Liebesbeziehung mutiert dann meist zur alleinig gewandelten Elterschaft und verliert sich im Hintergrund oder wird dorthin verbannt. Die ehemals mit dem eigenen Verliebstsein verbundene Erfüllung intimster Träume und Visionen weicht möglicherweise einer Pragmatik der "illusionsbehafteten Resignation". Die Hoffnung, dass irgendwann - zu einem späteren Zeitpunkt - alles wieder einmal anders wird oder werden kann, wird zur resignativen Scheiterstrategie. Und viele PartnerInnen beginnen sich zu fragen, wo all die Liebe geblieben ist, die am Anfang stand und ob das alles gewesen sei.
Systemische Paartherapie erlaubt Paaren eingeübte Denk- und Verhaltensmuster zu reflektieren und zu überprüfen. Ziel dabei ist, neues Handeln zu etablieren. In der Paartherapie können Konflikte verhandelt werden, sowie adäquate Lösungsstrategien entwickelt werden.
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